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Wilmas Welt

Ein kreativer, innovativer, öffentlicher Sektor

Mit Verwaltung werden viele Begriffe in Verbindung gebracht, aber selten die Worte Kreativität und Innovation. Als Postdog halte ich aber wenig von Stereotypen. Lieber sehe ich mir einen systematischen Überblick über wissenschaftliche Befunde im Journal „Public Administration“ an.

In diesem systematischen Literaturüberblick werden viele wissenschaftliche Einzelstudien zusammengefasst. Es geht darum besser zu verstehen, wie Beschäftigte im öffentlichen Dienst Kreativität am Arbeitsplatz einsetzen, um Ideen für Innovationen im öffentlichen Sektor zu generieren.

Auf Basis von 151 Studien werden sechs Kreativitätspraktiken im öffentlichen Sektor identifiziert:

  1. Kreatives Denken: Erhalten Beschäfigte im öffentlichen Dienst die Möglichkeit, autonom und kreativ „out of the box“ zu denken, kann das zu Innovationen beitragen. Nützliche Techniken können Brainstorming, die „grüne Wiese“, Szenariodenken, Rollenspiele, oder Design Thinking Workshops sein.
  2. Ermessensspielräume: Häufig haben Beschäftigte im öffentlichen Sektor auch qua Gesetz Ermessen, um kontextspezifisch passende Entscheidungen treffen zu können. Das kann nicht nur zu ethisch richtigen Entscheidungen führen, sondern auch zu unorthodoxen Variationen im Alltag führen, die von der Improvisation zur Innovation führen.
  3. Experimentieren: Versuch und Irrtum, Build-measure-learn, etc. sind nicht nur Ansätze, die für Start-ups taugen, sondern auch für bestimmte Bereiche im öffentlichen Sektor. Richtiges experimentieren kombiniert mit verlässlichen Messungen der Auswirkungen und auf dieser Basis gestaltete Weiterentwicklungen können zu kleinen und großen Innovationen im öffentlichen Leistungsbereich führen.
  4. Netzwerken: Zusammenarbeit mit anderen Akteursgruppen im öffentlichen Sektor oder in der Zivilgesellschaft führt häufig auch zu Kreativität und Innovation. Hier sind die typischen Beispiele Hackathons, Fortbildungen, Hospitationen, Austausch-Workshops, Fokusgruppen, oder andere Formen der Zusammenarbeit über die Grenzen der üblichen Silos hinweg.
  5. Transfer: Kreativität entsteht häufig durch Lernen von anderen Ländern, aus anderen Zeiten, aus anderen Organisationen oder unterschiedlichen Kontexten.
  6. Outsourcing: Wenn keine Zeit für Kreativität bleibt, wird auch häufig auf privatwirtschaftliche Akteursgruppen als als Impulsgeber*innen zurückgegriffen. Das kann durch den Zukauf von Beratung oder Ideen erfolgen, oder in Form von öffentlich-privaten Partnerschaften, z.B. in Innovations-Hubs, Labs, gemeinsamen Projekten, etc.

Ohne Kreativität keine Innovation! Bleibt neugierig und probiert diese sechs Ansätze ruhig mal aus. Herzlich, eure Wilma

Über Wilma: Postdog Wilma arbeitet am Lehrstuhl für Public Management & Public Policy an der Zeppelin Universität. Sie schaut als Beagle auf die Modernisierung des öffentlichen Sektors und schnüffelt regelmäßig durch aktuelle, wissenschaftliche Studien zu Personal, Innovation und Digitalisierung im öffentlichen Sektor. Das gibt es auch auf Twitter zu sehen.