Wilmas Blog: Eine Verwaltung, die auf Basis von Daten entscheiden kann
30. September 2022 by Wilma

Welche Kompetenzen benötigt der öffentliche Dienst der Zukunft, um datenbasiert Entscheidungen zu treffen? Dazu hat Wilma eine aktuelle Studie erschnüffelt.

In einer digitalen Verwaltung ergeben sich auf Basis leicht zugänglicher Daten vielfach Möglichkeiten, daten- und evidenzbasiert Entscheidungen zu treffen. Anstatt sich auf bloße Intuition oder Erfahrungen von Einzelpersonen zu verlassen,verspricht die Nutzung von Daten einen Fortschritt in Sachen objektiver Entscheidungsgrundlagen.

Dafür erforderlich sind allerdings Kompetenzen im öffentlichen Dienst, die vielfach noch nicht hinreichend ausgeprägt sind. Eine aktuelle Studie kombiniert die Erkenntnisse aus 34 qualitativen Interviews, um Kompetenzen für den öffentlichen Dienst herauszuarbeiten, die für datenbasierte Entscheidungen erforderlich sind. Die Studie formuliert insbesondere 8 Kompetenzanforderungen:

1) Datenkompetenz:

Dazu gehört nach den Studienautoren die Fähigkeit, die richtigen Fragen mit Bezug auf Daten zu stellen, ebenso wie das richtige Mindset mit Blick auf datenbasierte Entscheidungen zu haben, kontinuierlich mehr über Daten zu lernen, und auch ein realistisches Verständnis zum Umgang mit Daten zu haben. Eine Leitfrage kann hierbei sein: Was sagen die Daten? Statt der Frage: Wer behauptet etwas?

2) Kritisches Denken:

Hierzu gehören laut Studie die Fähigkeiten, Risiken datenbasiert abzuwägen und verantwortlich bzw. ethisch mit Daten umzugehen.

3) Teamarbeit:

Häufig erfordert die Arbeit mit Daten die Fähigkeit, mit Dritten außerhalb der Verwaltung (z.B. der Wissenschaft) zu kooperieren, kommunizieren, und Verbindungen zu pflegen. Es ist eine integrative, multidisziplinäre Zusammenarbeit gefragt.

4) Fachwissen:

Das ist insbesondere dann gefragt, wenn es darum geht, aus den Daten und Befundenschlüssig eine Geschichte zu erzählen bzw. den Kontext zu verstehen.

5) Fähigkeiten zur Datenanalyse:

Hierzu gehört insbesondere eine solide Ausbildung in statistischen Datenauswertungsmethoden.

6) Einbindung von Stakeholdern:

Wichtig sind auch Empathie, designorientiertes Denken, und geeignete Kommunikation mit der Bevölkerung.

7) Innovationsfähigkeit:

Darunter fassen die Studienautoren insbesondere die Fähigkeiten, agil und kreativ auf Herausforderungen zu reagieren, aber auch neugierig und mutig zu experimentieren.

8) Politisches Feingefühl:

Für datenbasierte Entscheidungskompetenz braucht der öffentliche Dienst auch künftig ein politisches Feingefühl für Rechenschaftspflichten,Verantwortlichkeiten und das Verständnis, wie Politik Datenprojekte nähergebracht werden können.

Die Studiebezeichnet diese Kompetenzen als hybrid, denn es wird eine Kombination aus eher "traditionellen" Kompetenzen (z. B. politisches Feingefühl) mit eher "innovativen" (z. B. Datenkompetenz) benötigt. Die Autoren kommen zum Schluss, dass Kommunen Ressourcen in die Entwicklung oder Auswahl dieser Kompetenzen bei ihrem Personal investieren sollten, um die Möglichkeiten, die Daten bieten, auf verantwortungsvolle Weise zu nutzen.

Über Wilma:

Als deutsch-dänischer Bürohund ist Wilma am Crown Prince Frederik Center for Public Leadership der Universität Aarhus tätig. Sie schaut als Beagle auf die Modernisierung des öffentlichen Sektors und schnüffelt regelmäßig durch aktuelle, wissenschaftliche Studien zu Personal, Innovation und Digitalisierung im öffentlichen Sektor. Das gibt es auch auf Twitter zu sehen.