Wilmas Blog: Feldexperimente als Form der Zusammenarbeit von Praxis und Wissenschaft
12. Juni 2022 by Wilma

Wie kann konkret eine Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis aussehen? Dazu hat Wilma eine aktuelle Studie gefunden und zugeschnappt.

Häufig kritisiert die Wissenschaft, dass Erkenntnisse aus der Forschung nicht umgesetzt werden - die "Knowing-Doing Gap". Die Praxis wiederum reagiert mit dem Hinweis auf die Realitätsferne mancher Ergebnisse, mangelnde Ressourcen und eine zu große Distanz zur akademischen Forschung im Alltag. Der vorliegende Artikel zeigt anhand der Methodik des Feldexperiments, wie die Zusammenarbeit gelingen kann.

Feldexperimente sind Experimente, dass heißt es gibt mind. eine Versuchsgruppe, die einer Intervention unterzogen wird und eine Kontrollgruppe ohne Intervention. Die Gruppenzuordnung ist zufallsbasiert. Der Unterschied zwischen den Gruppen lässt so Schlüsse auf den tatsächlichen Effekt zu. Erfolgt das ganze innerhalb des natürlichen Kontexts, zum Beispiel innerhalb einer Organisation, spricht man von einem Feldexperiment. Wie soll das nun in der Praxis helfen? Die Autoren schlagen fünf Schritte vor:

1) Forschung und Praxis treffen sich in gemeinsamen Formaten, z.B. Konferenzen, um zu verstehen, was die jeweils andere Seite gerade beschäftigt. Ein Beispiel: Öffentliche Arbeitgeber fragen sich, wie sie Nachwuchskräfte gewinnen können. Die Forschung wiederum vergleicht die Effektivität verschiedener Arbeitgeberattraktivitätsfaktoren.

2) Im Austausch identifizieren beide Seiten von Wissenschaft und Praxis die wichtigste Frage, die beide Seiten umtreibt, und legen Spielregeln für eine mögliche Kooperation fest. Die Forschung möchte z.B. testen, inwiefern man mit der Tätigkeit fürs Allgemeinwohl Nachwuchskräfte für den Staat gewinnen kann. Die Praxis kann dabei helfen, dies in einem wirklich realistischen Setting, z.B. echten Stellenausschreibungen, zu testen, statt eine Befragung o.ä. durchzuführen.

3) Das Feldexperiment wird gestaltet und umgesetzt: Die Wissenschaft bringt ihr methodisches Know-how und ihr theoretisches Verständnis ein, um vielversprechende Interventionen für den Test zu gestalten und eine qualitativ hochwertige Datenerhebung und -auswertung sicherzustellen. Die Praxis der öffentlichen Arbeitgeber ermöglicht den Feldzugang, stellt als z.B. die politische Unterstützung und das Vorhandensein einer auszuschreibenden Stelle sicher. Dann werden z.B. zwei Gruppen von Stellenausschreibungen getestet: Eine Kontrollgruppe, bei der alles so aussieht wie immer. Und zudem eine Interventionsgruppe, die eine Stellenausschreibung enthält, die die Tätigkeit fürs Allgemeinwohl besonders in den Vordergrund stellt. Beide Stellenausschreibungen werden an zufällig ausgewählte, potenzielle Bewerbende ausgesendet, z.B. via Social Media Werbeanzeigen.

4) Die Wissenschaft wertet die Daten aus und bereitet entsprechende Berichte für die Praxis auf. Die Praxis ermöglicht die Datenauswertung und berät mit der Wissenschaft zusammen über mögliche, praktische Ursachen der Befunde und Interpretationsfragen. So könnte die Intervention für die ausgeschriebenen Stellen bei der Feuerwehr besonders gut funktionieren, für die allgemeine innere Verwaltung zeigen sich hingegen keine Effekte - oder nur für bestimmte Zielgruppen.

5) Die Befunde haben einen echten Impact in der Praxis und werden umgesetzt, denn die Praxis nutzt diese gemeinsam erarbeiteten Ergebnisse und verteilt das Know-how in ihrem Netzwerk. Damit kann viel getestet, innoviert und auch Geld für Fehlinvestitionen gespart werden, die ohne die Zusammenarbeit mit der Forschung nicht gründlich getestet worden wären.

Wilma testet nun weiter gründlich alle Leckerlis - und wünscht viel Freude beim Experimentieren!

Über Wilma: Als deutsch-dänischer Bürohund ist Wilma am Crown Prince Frederik Center for Public Leadership an der Universität Aarhus tätig. Sie schaut als Beagle auf die Modernisierung des öffentlichen Sektors und schnüffelt regelmäßig durch aktuelle, wissenschaftliche Studien zu Personal, Innovation und Digitalisierung im öffentlichen Sektor. Das gibt es auch auf Twitter zu sehen.