Wilmas Blog: Über Schalterpersonal und Streifenpolizei
05. Juni 2022 by Wilma

Welche Bedeutung hat eigentlich das Personal an vorderster Front im öffentlichen Dienst? Dazu hat Wilma eine aktuelle Studie erschnüffelt.

"Street-level Bureaucrats", also der öffentliche Dienst vor Ort, z.B. Schalterpersonal, Krankenpflege oder Straßenpolizei, hat in den letzten dreißig Jahren vermehrt die Aufmerksamkeit der Forschung auf sich gezogen. Erforscht werden z.B. die Folgen von Ermessensspielräumen, die einerseits eine Chance für mehr Einzelfallgerechtigkeit, soziale Wohlfahrt und Überwindung von Barrieren sein können, aber auch zu Ungleichbehandlung und Diskriminierung führen können.

In der vorliegenden Übersichtsstudie wird weiter festgestellt, dass neben den Ermessesnspielräumen auch die Beziehungen zwischen Führungskräften und dem Personal an vorderster Front von Natur aus konfliktreich sein kann, aber auch ein gemeinsames Ziel hat - öffentliche Leistungen fair und effektiv zu erbringen. Der Ausbruch der Pandemie zeigt, wie wichtig das Personal an vorderster Front für die Erbringung öffentlicher Dienstleistungen sein kann, beschreibt die Studie. Hier füllt das Engagement in der ersten Linie die Lücken in übergreifenden Regelungen und kann so auch in Krisenzeiten eine Daseinsvorsorge ermöglichen.

Kritisch diskutiert wird auch die Rechenschaftspflicht der öffentlichen Beschäftigten. Häufig hat die Bevölkerung in Umfragestudien mehr Vertrauen in die Beschäftigten vor Ort, z.B. in der Kommunalverwaltung, als in die Beschäftigten in weit entfernten Ministerien, denn erstere sind sichtbarer und haben häufiger Kontakt zur Bevölkerung. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, die Rechenschaftspflicht der öffentlichen Beschäftigten vor Ort zu gewährleisten, denn diese sind das "Gesicht der Staatlichkeit". Rechtswidrige Aktivitäten dieser Personengruppe stellen andernfalls eine besondere Gefährung für das Vertrauen in den Staat dar.

So formuliert die Studie zusammenfassend: Der öffentliche Dienst an vorderster Front ist eine Quelle der Legitimität für den Staat und entscheidend für eine effektive Erbringung öffentlicher Leistungen. Obwohl sie nicht gewählt sind, ist dieses Personal des öffentlichen Dienstes entscheidend, da es für die Einzelperson das Gesetz konkret werden lässt. Sie sind systemrelevant und es ist daher wichtig, dass sie treu, rechenschaftspflichtig und bürgernah agieren. Die Studienautoren drücken vor diesem Hintergrund ihre Sorge aus, dass Ermessenspielräume, Mitgefühl und moralisches Urteilsvermögen verloren gehen könnten, wenn öffentliche Dienstleistungen künftig vollautomatisiert erbracht werden.

Über Wilma: Als deutsch-dänischer Bürohund ist Wilma am Crown Prince Frederik Center for Public Leadership an der Universität Aarhus tätig. Sie schaut als Beagle auf die Modernisierung des öffentlichen Sektors und schnüffelt regelmäßig durch aktuelle, wissenschaftliche Studien zu Personal, Innovation und Digitalisierung im öffentlichen Sektor. Das gibt es auch auf Twitter zu sehen.