Wilmas Blog: Wie politische Verantwortliche Evidenz wahrnehmen
20. November 2022 by Wilma

Wie nehmen Entscheidungsverantwortliche in der Politik Evidenz wahr? Was ist ein Beleg für die Wirksamkeit einer politischen Maßnahme? Dazu hat Wilma eine aktuelle Studie erschnüffelt.

Evidenz spielt in Politik und Verwaltung weltweit eine immer größere Rolle.  Viele Entscheidungen in Politik und Verwaltung sind aber nicht unbedingt evidenzbasiert, sondern getrieben von individuellen Überzeugungen. Die vorliegende Studie aus Wales zeigt auf Basis der sog. Q-Methodik (siehe unten), dass Verantwortliche sich vielfach nicht als evidenzbasierte Politikgestalter/-innen begreifen. Stattdessen vertreten die Befragten häufig eine pragmatische Sichtweise, bei der der Kontext und das politische Thema Einfluss darauf haben, was als Evidenz zählt. Andere vertreten eine integrative Position, die die Bedeutung der Berücksichtigung einer Reihe verschiedener Arten von Evidenz betont. Häufig herrscht auch eine politische Perspektive vor: Die Machtbeziehungen beeinflussen, was als Evidenz zählt und was nicht.

Die Studie zeigt weiter, wie unterschiedlich die Perspektiven auf Evidenz in ein und derselben Gemeinschaft sein können, und wie sich diese im Laufe der Zeit aufgrund von Erfahrung und beruflichem Werdegang ändern. Zusammenfassend formuliert die Studie unter anderem folgende drei Kernpunkte:

  • In der Politik entscheiden der Kontext, die Art der zu behandelnden Fragen, und schlicht der Verfügbarkeit von Studien, was als Evidenz wahrgenommen wird.
  • Die Vorstellungen von politischen Verantwortlichen darüber, was als Evidenz gilt, ändern sich oft im Laufe ihrer Karriere und werden von den Rollen, die sie übernehmen, den Organisationen, in denen sie arbeiten, und den politischen Themen, an denen sie arbeiten, beeinflusst.
  • Auch wenn die meisten unserer Befragten der Meinung sind, dass Fakten für die politische Entscheidungsfindung wichtig sind, variiert ihre individuelle Wahrnehmung ihres Einflusses im Vergleich zu anderen Faktoren stark.

Viel zu tun für die Wissenschaftskommunikation und beratende Verwaltungsorgane, die die politische Entscheidungsfindung mit Fakten und Evidenz bereichern wollen. Aber Wilma hilft weiter gerne dabei, Evidenz zu erschnüffeln.

Zur Q-Methodik:

Die Q-Methodik bringt qualitative und quantitative Forschung zusammen und wurde in der Psychologie entwickelt, um Einstellungen und Wahrnehmungen zu untersuchen. In der vorliegenden Studie bewerteten die 34 Entscheidungsverantwortliche aus der walisischen Politik eine Reihe von Aussagen darüber, was Evidenz ist und welche Rolle sie bei der politischen Entscheidungsfindung spielt. Mithilfe einer Faktorenanalyse werden dann Kategorien von Wahrnehmungen entwickelt, die es ermöglichen, die unterschiedlichen Einstellungen der Befragten zu Evidenz zu verstehen.

Über Wilma:

Als deutsch-dänischer Bürohund ist Wilma am Crown Prince Frederik Center for Public Leadership der Universität Aarhus tätig. Sie schaut als Beagle auf die Modernisierung des öffentlichen Sektors und schnüffelt regelmäßig durch aktuelle, wissenschaftliche Studien zu Personal, Innovation und Digitalisierung im öffentlichen Sektor. Das gibt es auch auf Twitter zu sehen.