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Wilmas Welt

Public Entrepreneurship | Machergeist für den Staat – Teil 2/3

Liebe Fans der gepflegten Beagle-Literatur,

wie versprochen kommt heute der zweite von drei Teilen zur Reihe über das Buch „We the Possibility“ von Mitchell Weiss. Es geht im Buch darum, wie wir mit „Public Entrepreneurship“, also einem Machergeist im öffentlichen Sektor, die dringenden Probleme unserer Zeit angehen können.

Die heutige Kernbotschaft Nummer 2/3: Ein öffentlicher Sektor, der ausprobieren kann.

Autor Weiss beschreibt hier insbesondere die Notwendigkeit, dass Bevölkerung, Beschäftige im öffentlichen Sektor und Politik mehr „ausprobieren“ und experimentieren zulassen sollten.

Das mag erstmal eigenartig klingen, wenn mit Steuergeld Dinge ausprobiert werden. Wenn das Experimentieren allerdings nach wissenschaftlichen Maßstäben gestaltet wird, wird so sehr schnell und evidenzbasiert eine effektive und effiziente politische Maßnahme identifiziert und implementiert.

Folgende Vorschläge gilt es daher zu beachten, so der Autor Mitchell Weiss:

  • Was die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung tun können:
    • Identifizieren Sie die wichtigsten Annahmen/Unwägbarkeiten bei neuen Projekten. Testen Sie sie nach Möglichkeit auf eine einfache, praktikable Weise.
    • Setzen Sie Prioritäten für die ersten Tests: Dinge, die am unsichersten sind, Dinge, die für den Erfolg am wichtigsten sind. Verwenden Sie gestaffelte Budgets. Stoppen Sie, was nicht funktioniert, oder ändern Sie es. Skalieren Sie, was funktioniert.
    • Erstellen Sie Portfolios von Experimenten. Setzen Sie sich hohe Ziele, damit die Gewinne die Verluste ausgleichen.
    • Trennen Sie „Menschen“ von „Projekten“, damit Sie objektive Beurteilungen erstellen können. Projekte mögen gescheitert sein, aber die Personen sind es nicht. Wichtig: Haben die Personen das Gelernte zielführend umgesetzt?
    • Experimentieren Sie mit der Öffentlichkeit, nicht an der Öffentlichkeit.
    • Wenn „Piloten“ Tests sind, sollten Sie sie auch so bezeichnen. Versprechen Sie Lernen, nicht Erfolg.
    • Seien Sie offen, was die Ergebnisse angeht. Erklären Sie vorher und nachher, dass auf dem Weg zu bahnbrechenden Erfolgen auch einige Misserfolge erforderlich sein werden. Teilen Sie dies der Presse und der Öffentlichkeit vorher mit.
  • Was die Bürger*innen tun können:
    • Wählen Sie politische Verantwortliche, die offen sind über scheitern zu sprechen und für maximales Lernen sorgen. Achten Sie auf die identifizierten Möglichkeiten in Wahlprogrammen. Seien Sie skeptisch gegenüber Kandidat:innen, die Gewissheit über das Ergebnis neuer Bemühungen zum Ausdruck bringen. Fragen Sie auf Kandidatenforen, Podiumsdiskussionen, usw.: Wie viel Scheitern werden Sie tolerieren? Wie werden Sie damit umgehen? Wie werden Sie darauf reagieren?
    • Bitten Sie Verantwortliche um „Möglichkeits“- Kennzahlen zusammen mit ihren Leistungskennzalen: Was haben sie ausprobiert? Was war erfolgreich und was nicht? Fragen Sie nicht nur nach „Erfolg“ – das könnte auf Verschleierung von Fehlern oder mangelnden Ehrgeiz oder beides hindeuten.
    • Seien Sie nicht zu kritisch über vergebene „Möglichkeiten“. Stempeln Sie dies nicht sofort als Misserfolge ab. Fragen Sie besser: War der Aufwand an Zeit/Geld minimal? Wurde der Lernerfolg maximiert? Gibt es andere Bemühungen, die ebenfalls getestet werden, um das gleiche Problem zu lösen?
    • Üben Sie Kritik an den Bemühungen, die zu viel Geld ausgegeben, zu wenig gelernt und zu wenig in ein Portfolio von Bemühungen investiert haben.
  • Was wir alle tun können:
    • Kommunizieren Sie, dass der Status quo oft die weniger sichere und auch keineswegs die richtige Wahl ist.

Also: Richtig Ausprobieren!

Viele Sonntagsgrüße, eure Wilma

Über Wilma: Postdog Wilma arbeitet am Lehrstuhl für Public Management & Public Policy an der Zeppelin Universität. Sie schaut als Beagle auf die Modernisierung des öffentlichen Sektors und schnüffelt regelmäßig durch aktuelle, wissenschaftliche Studien zu Personal, Innovation und Digitalisierung im öffentlichen Sektor. Das gibt es auch auf Twitter zu sehen.